Zwischen den Zeilen: The Great Buddha+

übersetzt von RA Volker Gerloff

Lust auf eine schwarze Komödie mit surrealer Note aus Taiwan? Eine bittere Satire auf korrupte Politik, religiöse Heuchelei und die brutalen Barrieren zwischen Arm und Reich? Wir haben “The Great Buddha+” für Euch ausgewählt, um dieses dringende Bedürfnis zu stillen!

Die Handlung von “The Great Buddha+” ist eigentlich recht simpel: Zwei  liebenswerte Außenseiter strampeln sich im täglichen Einerlei ab, um irgendetwas aus ihrem Leben zu machen. Pickle und Belly Button arbeiten in einer Fabrik, in der Buddha-Statuen hergestellt werden. Sie verbringen ihre Zeit oft damit, im grauen Pförtnerhäuschen der Fabrik die dash-cam-Videos aus dem Auto des Fabrikbesitzers, Kevin, anzusehen, um einen Blick in das aufregende Leben eines reichen Mannes zu erhaschen – und entdecken dabei ein dunkles Geheimnis, mit dem sie nicht so recht umgehen können.

Der Film kommt mit großer Leichtigkeit daher, zeichnet seine Charaktere – bis zu scheinbar nebensächlichen Randfiguren – sehr liebevoll und lebendig und bringt Euch dabei mit der komplexen Gesellschaftsstruktur Taiwans und ihrer sozialen Verwerfungen in Berührung.


Viel passiert hier “zwischen den Zeilen” – der Film spielt mit Sprache, Bildern und Andeutungen und gewinnt einen großen Teil seiner Raffinesse daraus. Es wird z.B. taiwanesisch geredet, was ein starkes Zeichen ist, in einem Land, in dem die Koumintang (KMT) über Jahrzehnte diese Sprache verboten hatten und bis heute der Makel der Minderwertigkeit an dieser Sprache klebt. So kann allein mit dem Einsatz der Sprache (wer spricht in welchen Situationen auf welche Art und Weise chinesisch oder taiwanesisch) viel ausgesagt werden. Hier wird es für Euch (das internationale Publikum) natürlich zur Herausforderung. Aber wir hoffen, dass Ihr den Witz und die Aussage des Films trotz Schwierigkeiten versteht. In Toronto ist dies 2017 gelungen – “The Great Buddha+” erhielt dort auf dem International Film Festival den “NETPAC Award”. Wenn der Film in Toronto funktioniert hat, haben wir keine Zweifel, dass das Berliner Publikum die kleine Herausforderung meistert. Natürlich beschränkt sich der Regisseur nicht nur auf das Spiel mit der Sprache. Er setzt die Kamera sehr geschickt ein und gleiches gilt für den oft kalten und sarkastischen Erzähler im Hintergrund. Ihr werdet einen gut gemachten Film genießen und dabei einen guten Einblick in das teilweise absurde Heute Taiwans bekommen. Der Film lädt zu Diskussionen, ein, dies ist nach der Vorführung im Rahmen des Festivals möglich und sehr erwünscht.

Absurdes Taiwan, Sprachspielereien, ein sarkastischer Erzähler, kunstgerechte Kameraführung usw.… alles gut und schön – aber warum steht dieses “+” am Ende des Filmtitels? Regisseur Huang drehte 2014 zunächst einen Kurzfilm: “The Great Buddha”. Daraus wurde später der Film in spielfilmlänge, den wir Euch hier präsentieren.

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