Geheimnis von Formosan Schwarzbär


1998 kehrt die junge Biologin HWANG Mei-hsiu nach ihrem Biologie-Studium aus den USA nach Taiwan zurück, um im Rahmen ihrer Doktorarbeit den taiwanische Schwarzbären zu erforschen. Im Jahr 2010 beschließt die Filmregisseurin LEE Hsiang-hsiu einen Dokumentarfilm über das Gebirge in Taiwan zu drehen. Somit treffen sie sich und der Film Black Bear Forest (wörtl. Schwarzbärenwaldes) kommt zustande. Der Film enthüllt nicht nur die Geheimnisse des taiwanischen Schwarzbären sondern erzählt auch von der lebenslangen Freundschaft der Protagonisten, die sich über viele Jahre während ihrer Zusammenarbeit im Black Bear Forest entwickelt.

Der taiwanische Schwarzbär (Formosan Schwarzbär) ist eine der seltensten endemischen Tierarten Taiwans und vom aussterben bedroht. Zu Beginn von HWANGs Forschung ist diese Tierart wissenschaftlichen noch nahezu unbekannt. Ihre Erforschung führt die junge Biologin nach Dafen, dem sogenannten “Königreich des Schwarzbären”, einer der abgelegensten Bergregionen im Yushan Nationalpark, die damals auch der taiwanische Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Aufgrund eines reichhaltigen Nahrungsangebots von Früchten und Nüssen kommen jeden Winter viele Schwarzbären auf der Suche nach Futter nach Dafen zum Berg Yushan und bieten HWANG eine einmalige Gelegenheit ihre Lebensbedingungen zu erforschen. Das Wissen und die Forschungsmethoden die sie sich während ihres Studiums in den USA angeeignet hat, sind ihr in der unzugänglichen Bergregion jedoch wenig hilfreich.

So entsteht die Zusammenarbeit mit LIN, einem Angehörigen der einheimischen Bunun, ehemaligen Jäger und erfahrenen Förster, der ihr hilft die Bären zu finden, zu markieren und zu dokumentieren. Die Dialoge und Konflikte zwischen HWANG und LIN während der einsamen und manchmal gefährlichen Reise, lassen ihre unterschiedlichen Charaktere und Meinungen deutlich werden, besonders weil LIN die Bären früher als Ranger jagte während HWANG die Theorien und Ansichten aus einer amerikanischen Forschungsstelle einbringt. Aber schnell wird klar, dass HWANGs Forschung ohne das traditionelle Wissen der indigenen Bevölkerung, welches auch bei Jagd auf den Bären erworben wurde, niemals möglich wäre. Während einer dreijährigen Feldforschung wird LIN so, viel mehr als nur ein Guide und trotz ihres sehr unterschiedlichen Bildungshintergrunds als auch ihrer ethnischen Herkunft entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden, die schlussendlich sogar über Leben und Tod entscheidet.

Mit einer geschickten Auswahl von Videoclips, Bildern, Tagebüchern HWANGs früherer Forschungsreisen und der spannenden Kombination aus Interview und Animation, gelingt es Regisseur LEE die tiefe Verbindung unter HWANG, LIN und dem Bären sichtbar zu machen. Mit der Hinwendung zu der Beziehung von HWANG, LIN und der Natur, entsteht ein vielschichtiger Dokumentarfilm, der nicht nur Wissen über den taiwanischen Schwarzbären vermittelt und zu seinem Schutz beiträgt, sondern auch eine komplexe, von Kontrasten geprägte emotionale Erzählung. Freundschaft, Leidenschaft und Zusammenhalt stehen zusammen in einem Spannungsfeld mit Grausamkeit, Trauer und Vergänglichkeit.

Der Dokumentarfilm zeigt die atemberaubende Schönheit der Taiwan Central Range. Mit Luftbildaufnahmen, Langzeitaufnahmen, Teleaufnahmen wird die Lebensumgebung der taiwanischen Schwarzbären und die Umgebung der Feldforschung vom HWANGs Team gut dargestellt. Zusammen mit der Erzählung von HWANG sind die extremen Härten und die alarmierende Gefahr ihrer Forschungsreisen uns sehr plausibel geworden. Vor allem gilt es natürlich auch für das Filmemachen. Deshalb verbrachte HWANG 6 Jahre mit ihrem Team und kam fast 30 Mal nach Dafen, um ihren Film zu schaffen. Ein weiterer Grund für das langjährige Filmschaffen ist die Postproduktion, da sie die Handlung rekonstruieren und die narrative Struktur aus den fast fragmentierten Materialien aufbauen musste, welche sie mit einer längeren Zeitspanne bekommen und aufgenommen hat. HWANG hat selbst weder Erfahrung im Bergsteigen noch in der Naturdokumentation. Ihr erster Gedanke war, dass es schade wäre, dass die großartige Natur im Zentrum Taiwans den Menschen und selbst ihr nicht bekannt war. Und wenn sie es jetzt nicht tun würde, wäre es für ihr Alter zu spät. Es kostete ihr viel Mühe, sich körperlich auf die Berge und handhabbar auf die Dokumentation über Tiere vorzubereiten. Ihre Art vom Sendungsbewusstsein und außergewöhnliche Entschlossenheit machen den Film möglich, so dass wir auch die Möglichkeit haben, die unzugänglichen Berge und Tiere zu bewundern, diese schönen Menschen und ihre berührenden Geschichten zu kennenlernen.

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