Alifu, die echte Prinz*essin

Taiwan hat im Februar einen Gesetzesentwurf zur Einführung gleichgeschlechtlicher Ehen vorgelegt und damit einen Hoffnungsschimmer für die LGBT-Gemeinschaften gebracht. Dies ist der erste diesbezügliche Gesetzesentwurf zur Ehe für alle, der auch auf die Nachbarstaaten ausstrahlen wird. Konservative christliche Gruppen versuchen noch immer noch die Bevölkerung zu Diskriminierung und Bigotterie zu verleiten, während die LGBT-Gemeinschaften in Taiwan noch immer auf den Tag warten, an dem die Gerechtigkeit siegen wird.

Warum, so mag man sich fragen, ist Taiwan das erste Land in Asien, das die Ehe für alle einführt. Das Kino könnte die Antwort darauf sein. Cineasten werden mühelos eine Reihe von Filmen mit LGBT-Bezug aus Taiwan finden. Durch diese Filme bekommt man einen Einblick in eine vielfältige Gesellschaft, welche Unterschiede und Toleranz wertschätzt trotz einer unnachgiebigen Bigotterie. Alifu, die Prinz/essin ist eine farbenprächtige Manifestation dieses Filmgenres.

Nach einer wahren Begebenheit: Alifu, die Prinz*essin ist ein Film, der Geschlechter- und Rassen-Grenzen im modernen Taiwan überschreitet. Alifu ist ein junger Paiwan-Mann, der Häuptling des Paiwan-Stammes werden wird. Der wahre Traum des jungen Erben ist aber eine geschlechtsangleichende Operation. Dies würde der Tradition seiner ursprünglichen Wurzeln widersprechen. Tagsüber arbeitet Alifu in einem Friseursalon, in dem seine lesbische Kollegin und Zimmergenossin sich allmählich in ihn verguckt. Nach Einbruch der Dunkelheit arbeitet in einer Drag Bar, wo er beginnt, Gefühle für einen Crossdresser namens Chris zu entwickeln. Wird Alifu sich aus dem Chaos der Liebe befreien und dennoch den Weg zu seinen Stammeswurzeln finden?

Der Protagonist Alifu ist im Zentrum eines Rassen- und Geschlechtskonfliktes. Als Erbe eines Paiwan-Stammes wird von ihm erwartet, dass er der Häuptling wird.
Sein Wunsch, eine Frau zu werden, widerspricht der patriarchalischen Stammeskultur. Der Regisseur bringt uns den Paiwan-Stamm näher, sodass man einen Eindruck vom Leben der Ureinwohner-Minoritäten erhält. Soll Alifu in der Stadt bleiben und seinem/ihrem Erbe den Rücken kehren? Oder soll er seinen Wunsch geheim halten und Stammeshäuptling werden? Sein Kampf hat mehrere Ebenen: sexuelle Identität, Stammeswurzeln und Generationsunterschied. Es ist kein Kampf gegen die Natur in den Bergen. Es könnte eine verlustreiche Schlacht werden, die seine Herkunft auslöscht. Nur durch eine Versöhnung, ermöglicht durch enormen Mut kann Alifu seine Reise über die Grenzen vollenden.

Der Film stellt drei Paare vor. Ihre Geschichten und Schicksale greifen ineinander, was die Erzählung des Films auf eine komplexere Ebene hebt. Das Dilemma eines jeden Paars repräsentiert das Spektrum der Sexualität. Das Geschlecht erscheint als die Quelle der Probleme. Mit Liebe und Akzeptanz könnten sich diese drei Paare vielleicht aus ihrer Zwickmühle befreien. Wenn sich die Geschlechter emanzipieren, gibt es keine Konflikte mehr. Es könnte der Beginn einer neuen Ära sein, in der die Menschen ihre Herzen öffnen können und ihre Unterschiede akzeptieren können.

Die wahrscheinlich interessanteste Rolle in Alifu ist Sherry, der Eigentümer der Drag Bar. Sie ist ein Transvestit, der sich nach Liebe durch Wu sehnt. Die unerwartete Liebe nimmt eine Wendung als bei Sherry eine tödliche Krebserkrankung diagnostiziert wird. Bamboo Chen spielt Sherry, Wu Pong-fong Spielt Wu. Ihre Geschichte funkelt mit einem feinen Austausch von Worten und physischer Interaktion. Bamboo Chen gewann den 54th Golden Horse Award als bester Nebendarsteller. Seine Darstellung des Eigentümers der Drag Bar ist voller Subtilität und Zärtlichkeit, was dem Film seine besonderen Charakter verleiht.

Die Sexszene zwischen Alifu und ihrer lesbischen Zimmergenossin hat eine Kontroverse in Taiwan ausgelöst. Einige empfanden diese Szene verstörend. Sie sahen sie an der Grenze zu einer Vergewaltigungsszene. Gibt es in dieser entscheidenden Szene ein Einverständnis, welches sich im Laufe der Geschichte verändert. Ist Sex zwischen einer Lesbe und einem Mann, welcher danach strebt eine Frau zu werden, so unvorstellbar, dass es dazu bestimmt ist, einen Alarm auszulösen. Der Regisseur hat sich letztlich dafür entschuldigt, traumatische Reaktionen im Kino ausgelöst zu haben. Mito der ohne Zustimmung: Diese Szene war eine wagemutige Wahl, welch mit mehr Feingefühl und Rücksicht hätte umgesetzt werden können.

Die Handlungslinien von Alifu sind fesselnd genug, um Diskussionen über Geschlechter und Grenzen auszulösen. Und sie sind eine realistische Darstellung von Geschlechterkonflikten in der modernen Gesellschaft in Taiwan. Der Film versucht nicht, eine abschließende Antwort auf diese Konflikte zu geben. Das Ende des Films ruft zu Toleranz und Verständnis auf. Das ist es, was die LGBT-Gemeinschaften in Taiwan brauchen.

Taiwan ist dazu bestimmt, Vorreiter der Ehe für alle in Asien zu sein. Das neue Recht wird bahnbrechend für die Insel und auch für seine Nachbarn sein. Giftiger Hass von Seiten der Kirchen, welche bereit sind zurückzuschlagen, ist zu erwarten. Angesichts dieser Feindlichkeit muss die Regierung energisch auftreten. Liebe kann den Hass besiegen, wenn man sich dem Hass entgegenstellt. Zu dem Zeitpunkt, an dem Alifu in die Kinos in Berlin kommt, sollte die gleichgeschlechtliche Ehe in Taiwan bereits geltendes Recht sein. Alifu ist ein glänzend gespielter Film, der die Menschlichkeit zelebriert. In der Wirklichkeit können die LGBT-Gemeinschaften in Taiwan die Champagnerflaschen öffnen und den Sieg der Vielfalt feiern.

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