“KANO“ – Die Geschichte des legendären Baseballteams in Taiwan


Wenn es einen Film gibt, der eine Zeitreise ermöglicht und Dich in die 1930er Jahre zurückversetzt, in eine andere Welt, um in multiethnische und multikulturelle Gesellschaft einzutauchen, das Zusammenspiel verschiedener Kulturen zu jener Zeit zu erfahren, wären Sie auch bereit an Board zu kommen? KANO gehört zweifelsohne zu eines dieser Filme. Obwohl KANO aus der Perspektive der Baseballfans zu eines der besten Baseballfilme zählt, bietet KANO noch viel mehr. Basierend auf einer wahren Geschichte, bietet KANO auch jenen, die sich für Geschichte, Kultur und soziale Fragen interessieren, einen guten Einblick in die Gesellschaft Taiwans und Japans zu jener Zeit.

Der Regisseur des Films Warriors of the Rainbow: Seediq Bale, WEI Te-Sheng, der auch der Produktionsleiter von KANO ist, stolperte tatsächlich über diese Geschichte, während er beim Dreh des Films Seediq Bale nach historischen Details recherchierte. Fasziniert von der Geschichte, hat er zusammen mit dem Direktor Umin Boya Forschungs- und Feldarbeiten einschließlich der Interviews mit den Baseballspielern und ihrer Familie durchgeführt, um möglichst viele Details zu erhalten. Das, was im Film präsentiert wird, gleicht einer Visualisierung der historischen Gegebenheiten. Neben einer Reihe von Baseballspielen, die die Haupthandlung darstellt, erhalten die Zuschauer auch einen Einblick in das Zusammenspiel von japanischen, han-taiwanesischen und taiwanesischen Kulturen der Indigenen. Taiwanesische Alltagsszenen werden ebenfalls im Film festgehalten – in Verbindung mit den Reisfeldern und den historischen Ereignissen leistet der Regisseur gute Arbeit darin, eine stimmige Geschichte zu erzählen, gleichzeitig beleuchtet er wichtige Aspekte der taiwanesischen Kultur: Multiethnizität, multikulturelle Gesellschaft und die Baseballkultur.

Taiwan ist zwar eine kleine Insel in der Nähe des chinesischen Festlandes, gilt dennoch nicht als eine Miniaturversion Chinas. Diese kleine Insel ist nicht nur seit dem 17. Jahrhundert die Heimat von Han-Chinesen, sondern auch die Heimat taiwanesischer Ureinwohner, die seit über 8.000 Jahren austronesischen Stämmen angehören. Der Regisseur Umin Boya hebt diese Besonderheit hervor, indem er drei Sprachen verwendet: Indigene Sprachen, Taiwanesisch, und Japanisch. Er fügt dem Film eine weitere Ebene hinzu, um den Film zu bereichern.

Die europäische und die japanische Kultur wurden auch teils in die taiwanesische Gesellschaft eingegliedert als Taiwan im 17. Jahrhundert fast 40 Jahre lang unter niederländischer Herrschaft stand und Anfang des 20. Jahrhunderts 50 Jahre lang eine ehemalige japanische Kolonie war. Daher kann das Publikum in vielen kleinen Details des Films Spuren dieser kulturellen Vielfalt entdecken. Beispielsweise gibt es eine Szene, in der einheimische Baseballspieler aus KANO zu Besuch bei den heißen Quellen in einem japanischen Dorf waren. Als Zuseher konnte man sehen, dass einige einheimische Baseballspieler japanische Namen hatten, weil die japanische Regierung versucht hatte, die japanische Sprache und Kultur in ihren Kolonien zu vermitteln.

Die Baseballkultur in Taiwan kann auch als ein Überbleibsel einer japanisch geprägten Schirmherrschaft verstanden werden.
Ähnlich wie die Fußballkultur in Europa hat Japan eine starke Baseballkultur und wurde während der japanischen Kolonialzeit in die taiwanesische Gesellschaft eingeführt. Seither hat Taiwan eine starke Baseballkultur entwickelt. In vielen Jubelliedern, die für jeden Baseballspieler und jedes Baseballteam individuell komponiert wurden und sogar in einem taiwanesischen 500-Dollar-Schein spiegelt sich der Enthusiasmus wider: Das Foto der Baseball-Spieler der Little League wird auf 500-Dollar-Scheinen abgebildet, nachdem sie die Meisterschaft PONY gewannen – Bronco League World Series 1998 und 1999 bleibt als ruhmvoller Moment in Erinnerung. Das zeigt auch, wie sehr die kleine Insel ihre Lieblingssportart verehrt. Außerdem führt KANO das Publikum in den Baseballstadion hinein, indem Baseballspiele und Schauspieler gezeigt werden, die im wirklichen Leben Baseballspieler sind, um die Legende wiederaufleben zu lassen. Für diejenigen, die nicht viel über Baseball wissen, aber gerne zu einem Baseballspiel gehen würden und die Baseballkultur erleben möchten, bietet KANO zweifellos eine derartiges Filmerlebnis an.

In Zeiten der Globalisierung, in denen Themen wie Einwanderung und Solidarität hitzig debattiert werden, kann der Film auch als Inspiration für die Suche nach möglichen Antworten sein. Laut dem Direktor Umin Boya, der auch indigenen Ursprungs ist, wurde die Geschichte des KANO-Baseballteams nicht zuletzt deshalb verfilmt, weil es ein einzigartiges historisches Ereignis ist, das direkt mit Taiwans Baseballentwicklung zusammenhängt, sondern auch weil es sich um das erste multiethnisch geprägte, taiwanesische Baseballteam handelt. Es zeigt, dass Menschen, wenn sie ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, über ihre Unterschiede hinwegsehen und sich durch wechselseitiges Verständnis, aber auch Respekt und Toleranz gemeinsam weiterentwickeln können, da der Teamgeist sie zum Erfolg verhelfen kann. Zusätzlich zum Ruhm und Ansehen tröstete Baseball die Taiwanesen inmitten sozialer Konflikte und Unruhen zu dieser Zeit, gemeinsam mit Szenen über Freundschaft und familiäre Bindungen und brachte den tatsächlichen Sinn zum Ausdruck, um den wir uns alle im Leben bemühen.

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